Design
Zörbiger Zukunftslabor – Nachbarschaft, Demokratie und gutes Leben vor Ort
Idee von: Dimitri Schumann
Eingereicht am: 18.03.2026
Projektbeschreibung In Zörbig zeigen sich viele der Herausforderungen, die ländliche Regionen in Deutschland derzeit prägen: Junge Menschen orientieren sich in Richtung größerer Städte, während ältere Generationen vor Ort bleiben und traditionelle soziale Netzwerke dünner werden. Zwischen lange Verwurzelten, Zugezogenen, Pendlerhaushalten und Menschen mit Migrationsgeschichte treffen unterschiedliche Vorstellungen von einem „guten Leben auf dem Land“ aufeinander. Gleichzeitig fehlen attraktive, nicht-kommerzielle Orte, an denen sich Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe begegnen, gemeinsam Ideen entwickeln und diese auch praktisch umsetzen können. Das „Zörbiger Zukunftslabor“ beantwortet diese Situation mit einem offenen, niedrigschwelligen Raum für Nachbarschaft, Demokratie und gutes Leben vor Ort. In einem bereits vorhandenen Raum in Zörbig entsteht über zwei Jahre eine offene Mitmach‑Werkstatt, die zugleich Treffpunkt, Ideenlabor und Beteiligungsplattform ist. Herzstück des Projekts sind eine wöchentliche „Werkstatt Mittwoch“, ein Jugend‑ und Medienprojekt („Zörbig erzählt“), moderierte „Runde Tische Zörbig“ zu Fragen des Zusammenlebens und der Stadtentwicklung sowie ein kleiner Aktionsfonds für Nachbarschafts‑Mikroprojekte. So werden Menschen befähigt, konkrete Verbesserungen in ihrem direkten Umfeld anzustoßen, Verantwortung zu übernehmen und Demokratie im Alltag erfahrbar zu machen. Das Projekt stärkt lokale Identität und sozialen Zusammenhalt, eröffnet neue Möglichkeiten zur Teilhabe und unterstützt ländlichen Raum dabei, sich selbstbewusst und solidarisch weiterzuentwickeln. Es ist klar gemeinwohlorientiert, arbeitet nicht wirtschaftlich und zielt darauf, Strukturen aufzubauen, die über den Förderzeitraum hinaus tragfähig sind.
Problembeschreibung Zörbig ist – wie viele Kleinstädte in Sachsen‑Anhalt – von demografischem Wandel und strukturellen Umbrüchen geprägt. Junge Menschen verlassen den Ort für Ausbildung, Studium oder Beruf, während ältere Menschen vor Ort verbleiben. Dies führt zu einem Auseinanderfallen von Generationen und Lebenswelten. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren klassische Treffpunkte und informelle Begegnungsorte an Bedeutung verloren oder sich auf bestimmte Milieus verengt haben. In Gesprächen mit Bürgerinnen und Bürgern wird deutlich, dass Räume fehlen, in denen man sich ohne Konsumzwang begegnen, Neues ausprobieren und gemeinsam konkrete Projekte für den Ort entwickeln kann. Angebote für Jugendliche existieren, sind aber oft wenig mit echter Mitgestaltung verbunden. Für Ältere gibt es vereinzelt Treffpunkte, doch fehlt ein Rahmen, in dem ihr Wissen und ihre Erfahrungen gezielt in neue, zukunftsorientierte Initiativen einfließen können. Zugleich wird eine gewisse Politik‑ und Demokratieverdrossenheit spürbar: Entscheidungen wirken weit weg, Beteiligungsformate sind häufig kompliziert, abstrakt oder wenig alltagsnah. Diese Kombination – fehlende Begegnungsräume, geringe Beteiligungsmöglichkeiten und wachsende Distanz zwischen Bevölkerung, Verwaltung und Politik – stellt eine konkrete gesellschaftliche Problemlage dar. Genau hier setzt das „Zörbiger Zukunftslabor“ an, indem es einen zugänglichen Ort für Begegnung, praktische Zusammenarbeit und dialogische Beteiligung schafft und damit die Zielsetzungen des Programms Neulandgewinner in einem ländlichen Raum exemplarisch aufgreift.
Ziele des Projekts Übergeordnetes Ziel des Projekts ist es, Zörbig als lebendigen, solidarischen und demokratisch gestalteten Lebensort zu stärken. Daraus leiten sich drei Hauptziele ab: Erstens soll der soziale Zusammenhalt und die lokale Identität gestärkt werden. Menschen unterschiedlicher Generationen, Herkünfte und Lebenslagen kommen miteinander ins Tun, lernen sich neu kennen und entwickeln ein gemeinsames Bild davon, was ein gutes Leben in Zörbig ausmacht. Zweitens soll demokratische Partizipation und Teilhabe gefördert werden. Bürgerinnen und Bürger erhalten niedrigschwellige Gelegenheiten, Themen einzubringen, Aushandlungsprozesse mitzuerleben und zu gestalten sowie konkrete Anliegen gegenüber Verwaltung und Politik zu formulieren. Demokratie wird dadurch als etwas erfahrbar, das im Alltag beginnt – nicht nur in Wahlkabinen oder formellen Gremien. Drittens sollen verstetigbare Strukturen lokaler Selbstorganisation aufgebaut werden. Die im Projekt erprobten Formate – offene Werkstatt, Jugend‑Mediengruppe, Runde Tische, Mikro‑Projektfonds – sollen so entwickelt werden, dass sie nach Projektende von einer engagierten Gruppe Ehrenamtlicher und der Trägerorganisation weitergeführt werden können.
Zielgruppen Das Projekt richtet sich an mehrere, teilweise bislang wenig verbundene Zielgruppen in Zörbig. Zentral sind Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von etwa 13 bis 27 Jahren, die häufig das Gefühl haben, dass ihre Stimmen im Ort wenig Gewicht haben und attraktive Beteiligungsmöglichkeiten fehlen. Sie sollen im Rahmen des Jugend‑Medienprojekts und über die offene Werkstatt Verantwortung übernehmen und ihre Perspektiven sichtbar machen. Eine weitere wichtige Zielgruppe sind Familien sowie ältere Menschen, die häufig über großes Erfahrungswissen, aber begrenzte Beteiligungsmöglichkeiten verfügen. Für sie bietet die Werkstatt einen Ort, an dem praktische Fähigkeiten, Alltagswissen und Ideen für das Zusammenleben eingebracht und weitergegeben werden können. Ergänzend werden bereits engagierte Personen aus Vereinen, Feuerwehren, Kirchen und Initiativen angesprochen, ebenso wie Zugezogene und Menschen mit Migrationsgeschichte, die sich stärker mit Zörbig identifizieren möchten. Auch Mitarbeitende der Verwaltung und Mitglieder des Stadtrats sind direkte Zielgruppe der dialogischen Formate. Sie werden als Akteurinnen und Akteure auf Augenhöhe einbezogen, um gemeinsam mit der Bürgerschaft an konkreten Fragestellungen zu arbeiten. Durch diese breite Zielgruppenansprache wird das Projekt zu einer Brücke zwischen verschiedenen Milieus und Generationen in Zörbig.
Arbeitsplan und Maßnahmen Kern des Projekts ist ein fester, gut erreichbarer Raum in Zörbig, der als „Zukunftslabor“ etabliert wird. Einmal pro Woche öffnet dort die „Werkstatt Mittwoch“. An diesen Nachmittagen und Abenden können Menschen gemeinsam reparieren, tüfteln, basteln, einfache Dinge konstruieren oder gestalten – vom Reparieren eines defekten Geräts bis zum Bau eines Sitzmöbels für den öffentlichen Raum. Parallel dazu werden Ideen für Zörbig gesammelt, diskutiert und in erste kleine Umsetzungsschritte übersetzt. Niederschwellige Workshops vermitteln Kompetenzen wie Projektplanung, Moderation, Nachbarschaftsaktivierung oder einfache Beteiligungstools. Ein zweiter Baustein ist das Jugend‑ und Medienprojekt „Zörbig erzählt“. In Kooperation mit Schule, Jugendclub oder offenen Jugendangeboten begleiten Medienpädagoginnen und ‑pädagogen eine Gruppe junger Menschen dabei, Geschichten aus Zörbig zu sammeln. Entstehen sollen Interviews mit älteren Bewohnerinnen und Bewohnern, Fotoreihen zu Lieblingsorten, kurze Audio‑ oder Videobeiträge unter anderem zur Frage „Zörbig 2040 – wie stellst du dir deinen Ort vor?“. Die Beiträge werden über Ausstellungen, QR‑Codes im Stadtraum oder eine Online‑Präsenz sichtbar gemacht und stärken so die Identität und Sichtbarkeit lokaler Geschichten. Als dritter Baustein werden ein bis drei Mal pro Quartal „Runde Tische Zörbig“ organisiert. Hier bringen Bürgerinnen und Bürger, Verwaltung, Stadtrat, Vereine und Initiativen ihre Themen ein, die sich aus der Werkstatt‑Arbeit ergeben: Nutzung von Leerstand, Aufenthaltsqualität auf Plätzen, sichere Wege für Kinder, Nachbarschaftshilfe, Kulturangebote. Die Treffen werden moderiert, mit visuellen Methoden unterstützt und konsequent auf konkrete nächste Schritte hin angelegt – etwa gemeinsame Aktionen, Beschlussvorschläge für den Stadtrat oder Kooperationsvereinbarungen. Ein vierter Baustein ist ein kleiner Aktionsfonds für Nachbarschafts‑Mikroprojekte. Mit einfachen Verfahren können Gruppen von Bürgerinnen und Bürgern kleine Mittel beantragen, um schnell umsetzbare Vorhaben zu realisieren – zum Beispiel eine Sitzgelegenheit mit Begrünung vor einem Laden, ein Nachbarschaftsfest mit Dialogformat, eine temporäre Spielstraße oder eine thematische Spaziergangsreihe. Über die Vergabe der Mittel wird transparent im Rahmen des Zukunftslabors entschieden; damit wird unmittelbare Teilhabe ermöglicht, ohne ein wirtschaftliches Geschäftsmodell zu etablieren.
Kooperationen Das Projekt setzt bewusst auf lokale Kooperationen. Geplant ist eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung Zörbig, etwa bei der Nutzung eines geeigneten Raums, bei Fragen der Genehmigung von Aktionen im öffentlichen Raum und bei der Einbindung der Ergebnisse aus den Runden Tischen in kommunale Entscheidungsprozesse. Darüber hinaus sollen Schulen, Kindertagesstätten, Jugendklubs, Kirchengemeinden, Sport‑ und Kulturvereine sowie die Freiwillige Feuerwehr eingebunden werden. Sie können sowohl Teilnehmende ansprechen als auch eigene Themen und Ressourcen einbringen. Besonders für das Jugend‑Medienprojekt ist eine Kooperation mit einer Schule und mindestens einem Jugendangebot vor Ort vorgesehen, um die Beteiligung junger Menschen zu sichern. Je nach Bedarf werden externe Fachpersonen (z.B. Medienpädagogik, Beteiligungsmethoden) eingebunden.
Erwartete Wirkungen und Verstetigung Kurzfristig wird erwartet, dass mehr Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Generationen und Hintergründe stattfinden, dass neue Kontakte und Kooperationen entstehen und dass erste sichtbare kleine Veränderungen im öffentlichen Raum umgesetzt werden. Die Erfahrungen aus der Werkstatt, den Runden Tischen und dem Jugend‑Medienprojekt sollen zeigen, dass Engagement Spaß machen, konkrete Wirkung entfalten und Demokratie alltagsnah erlebbar machen kann. Mittelfristig soll das Vertrauen zwischen Bürgerschaft, Verwaltung und Politik gestärkt werden. Durch die wiederkehrenden Formate wachsen die Kompetenzen vor Ort, Konflikte konstruktiv auszutragen und gemeinsam Lösungen zu finden. Der Ort gewinnt dadurch an Attraktivität – insbesondere für Menschen, die eine aktive Nachbarschaft und Gestaltungsspielräume schätzen. Zudem werden neue ehrenamtliche Schlüsselpersonen gewonnen, die moderieren, koordinieren oder als Patinnen und Paten für Themen auftreten. Langfristig ist vorgesehen, die erfolgreich erprobten Formate in die vorhandenen Strukturen zu überführen. Die offene Werkstatt kann dauerhaft an den Trägerverein oder eine Kooperationsstruktur angebunden werden, der Runde Tisch kann als fest etabliertes Beteiligungsformat weitergeführt werden, und das Jugend‑Medienprojekt kann in Kooperation mit Schule, Jugendclub oder Kulturakteuren regelmäßig fortgesetzt werden. Parallel dazu werden ergänzende Fördermöglichkeiten geprüft, um einzelne Bausteine nach Ende der Neulandgewinner‑Förderung weiter zu finanzieren.
Finanzplan (Kurzbeschreibung) Für das „Zörbiger Zukunftslabor“ wird eine Fördersumme von 48.000 Euro für den Zeitraum von zwei Jahren beantragt. Geplant ist, ungefähr die Hälfte der Mittel für Personal‑ bzw. Honoraraufwand der Projektkoordination und für externe Fachpersonen (Moderation, Medienpädagogik, Workshop‑Leitungen) zu verwenden. Ein weiterer Anteil ist für Sachkosten vorgesehen: Grundausstattung der Werkstatt (Werkzeuge, Materialien, einfache Audio‑/Video‑Technik, Moderationsmaterialien), kleinere Investitionen in die Gestaltung des Raums sowie Kosten für Öffentlichkeitsarbeit (Flyer, Plakate, Online‑Präsenz, Ausstellungen). Darüber hinaus wird ein kleiner Aktionsfonds für Mikroprojekte eingerichtet, über den Nachbarschaftsaktionen unbürokratisch unterstützt werden können. Schließlich sind Reisekosten für die Teilnahme an den Qualifizierungs‑ und Vernetzungsangeboten des Programms Neulandgewinner sowie, je nach verbleibendem Budget, eine einfache externe Evaluation bzw. Dokumentation vorgesehen. Eigenleistungen werden insbesondere in Form ehrenamtlicher Mitarbeit, der möglichst kostenfreien Bereitstellung eines geeigneten Raums durch die Kommune oder Kooperationspartner sowie durch Sachspenden und kleinere Beiträge von Vereinen und Initiativen erbracht.
